Zwei Studien in international führenden Fachzeitschriften untersuchen die langfristigen Wechselbeziehungen zwischen Persönlichkeit, Einkommen und Arbeitszufriedenheit.
Zwei neue Publikationen unter Mitwirkung von Prof. Dr. Christian Dormann untersuchen, wie Persönlichkeitsmerkmale und zentrale Aspekte des Arbeitslebens über längere Zeiträume miteinander zusammenhängen. Die im Psychological Bulletin und im Journal of Applied Psychology erschienenen Arbeiten zeigen: Persönlichkeit beeinflusst nicht nur, wie Menschen ihr Arbeitsleben erleben und welche beruflichen Ergebnisse sie erzielen. Umgekehrt können berufliche Erfahrungen und Entwicklungen auch mit späteren Veränderungen der Persönlichkeit verbunden sein. Entscheidend für das Verständnis dieser Zusammenhänge ist der jeweils betrachtete Zeitraum.
Persönlichkeit gilt häufig als vergleichsweise stabile Voraussetzung dafür, wie Menschen ihre Arbeit erleben, welche beruflichen Entscheidungen sie treffen und wie erfolgreich sie im Arbeitsleben sind. Die beiden neuen Studien erweitern diese Perspektive. Sie untersuchen die zeitliche Dynamik zwischen Persönlichkeit und beruflichen Entwicklungen und fragen insbesondere, ob sich Zusammenhänge in beiden Richtungen zeigen.
Die erste Arbeit erschien im Psychological Bulletin, einer der international renommiertesten psychologischen Fachzeitschrift. Untersucht wurden die wechselseitigen zeitlichen Beziehungen zwischen Einkommen und den fünf grundlegenden Persönlichkeitsdimensionen, den sogenannten „Big Five“. Grundlage war eine Continuous-Time Meta-Analyse von elf großen Längsschnittstudien mit insgesamt 134.515 Personen.
Die Ergebnisse zeigen, dass Veränderungen des Einkommens mit späteren Veränderungen verschiedener Persönlichkeitsmerkmale zusammenhängen. Für emotionale Stabilität und Gewissenhaftigkeit ergeben sich überwiegend positive zeitliche Beziehungen, während sich für Extraversion teilweise gegenläufige Muster zeigen. Gleichzeitig finden sich auch Zusammenhänge in der umgekehrten Richtung: Veränderungen von Persönlichkeitsmerkmalen gehen mit späteren Einkommensveränderungen einher.
Die zweite Arbeit wurde im Journal of Applied Psychology, einer international führenden Fachzeitschrift der Wirtschaftspsychologie, veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen die zeitlichen Wechselbeziehungen zwischen Arbeitszufriedenheit und Persönlichkeit. Das internationale Forschungsteam verbindet eine präregistrierte Continuous-Time Meta-Analyse von elf Längsschnittstudien mit insgesamt 142.914 Personen mit einer unabhängigen 11-Wellen-Studie aus Deutschland mit mehr als 2.000 Erwerbstätigen.
In beiden Untersuchungen zeigen sich insbesondere zwischen Arbeitszufriedenheit, Gewissenhaftigkeit und emotionaler Stabilität wechselseitige zeitliche Beziehungen. Wechselseitige bedeutet: Persönlichkeitsveränderungen können mit späteren Veränderungen der Arbeitszufriedenheit verbunden sein, während Veränderungen der Arbeitszufriedenheit ihrerseits mit späteren Persönlichkeitsveränderungen zusammenhängen. Die Stärke dieser Beziehungen variiert jedoch in Abhängigkeit von der Stichprobe, dem Arbeitskontext und dem untersuchten Zeitraum.
Eine methodische Besonderheit beider Arbeiten ist die Verwendung der von Christian Dormann entwickelten Continuous-Time Meta-Analyse, kurz CoTiMA. Das Verfahren ermöglicht es, Ergebnisse aus Längsschnittstudien mit unterschiedlichen zeitlichen Abständen und unterschiedlich vielen Erhebungswellen gemeinsam auszuwerten. Dadurch lässt sich genauer untersuchen, wie sich die Stärke wechselseitiger Beziehungen im Zeitverlauf verändert. Konventionelle Meta-Analysen können solche Unterschiede in den Untersuchungszeiträumen nur eingeschränkt berücksichtigen.
Gemeinsam verdeutlichen die beiden Arbeiten, dass Persönlichkeit im Arbeitsleben nicht ausschließlich als unveränderliche Ausgangsbedingung betrachtet werden sollte. Persönlichkeit, berufliche Erfahrungen und berufliche Ergebnisse können sich im Lebensverlauf wechselseitig beeinflussen beziehungsweise gemeinsam verändern.