Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Inhaber der Professur für Social Choice and Collective Decision Making am Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, hat sich in einem aktuellen Interview zur Diskussion um eine Reform der Mehrwertsteuer geäußert.

Im Zentrum steht ein Reformvorschlag des Bundesfinanzministeriums, der vorsieht, den regulären Mehrwertsteuersatz anzuheben und zugleich Grundnahrungsmittel von der Umsatzsteuer zu befreien. Barbaro hält eine solche Reform aus finanzwissenschaftlicher Perspektive grundsätzlich für sinnvoll, sofern sie gezielt ausgestaltet wird. Eine stärkere Besteuerung des Konsums könne dazu beitragen, den Faktor Arbeit zu entlasten. Zugleich müssten Güter des täglichen Bedarfs, insbesondere Grundnahrungsmittel, besonders berücksichtigt werden.

Die Argumentation knüpft an zentrale Überlegungen der Finanzwissenschaft an, unter anderem an die von Anthony B. Atkinson und Joseph E. Stiglitz geprägte Diskussion zur optimalen Besteuerung. Dabei geht es um die Frage, wie direkte und indirekte Steuern so gestaltet werden können, dass ökonomische Effizienz, Verteilungswirkungen und gesellschaftliche Zielsetzungen angemessen berücksichtigt werden.

Barbaro verweist im Interview auf die Lenkungswirkung von Konsumsteuern. Eine differenzierte Besteuerung könne nicht nur fiskalische Zwecke erfüllen, sondern auch gesundheitliche, ökologische oder gesellschaftliche Folgewirkungen von Konsum stärker abbilden. Als Beispiele nennt er eine mögliche Besteuerung bestimmter Inhaltsstoffe wie Zucker sowie weitergehende Lenkungsfragen etwa im Bereich Tierwohl oder nachhaltiger Konsum.

Das Thema ist auch für die Lehre am Fachbereich unmittelbar relevant. Im Modul Finanzpolitik werden grundlegende Fragen der Steuerpolitik, der Verteilungswirkungen und der staatlichen Einnahmengestaltung behandelt. Das Interview zeigt damit anschaulich, wie finanzwissenschaftliche Forschung, akademische Lehre und aktuelle wirtschaftspolitische Debatten ineinandergreifen.